Biografie 


Rainer  Stoltz   ist ein deutscher Bildhauer und Maler / * 1951 in Bürgel/Thür. (damalige SBZ) 

 

Etwa von 1964 bis 1967 besuchte er als Heranwachsender die städtische Kunstschule in Jena ( s.g.VKS) ,wo er dort  auch die ersten äußeren künstlerischen Impulse erfuhr .
 Um 1968 und aus einer Sammlung von Stahlhelmen und Vogelschädeln  entstanden erste „Reste eines Helden“ in Keramik  ,1970 Portrait des „ Rittmeister K.“ u.a.

Trotz des grossen  neuen Bekanntenkreises in Jena blieb er stets ein starker Individualist und entzog sich auch der allgemeinen Staatsdoktrin in der damaligen SBZ.
Bei seiner militärischen  Musterung  verweigerte er  den Dienst am Staatssystem. Es begannen die sogenannten   "zeitwertlosenjahre“ , wie er es nannte -  dies waren  kleine Fluchten vor  dem Zugriff des Systems.
 Ein erstes Atelier  bezog er  (mit M.E. ) im ehemaligen Schützenhaus in  Bürgel und wechselte dann nach Jena (Brauhofstrasse) wo er  neuen und  vielfältigeren Einflüssen ausgesetzt war und diese auslebte.
 Auch in dieser Zeit entstanden erste kleine  Metallgüsse in Blei und Messingschrott ,  " Der Gasmann “ , heute im Besitz  des  "Haus der Geschichte ", Bonn/Leipzig, und weitere wie  "Luftbrückendenkmal l“   -  es begannen  die "zeitwertlosen jahre" . 

 

All diese Arbeiten erregten extreme Ablehnung  bei Vertreter der offiziellen Staatskunst ! Das System zeigte ihm  so schon  früh Grenzen auf ( die er nicht akzeptieren konnte und wollte )  und er erfuhr  ernste staatliche Repressalien durch die Staatskünstler- und Kulturfunktionäre  jener Zeit. Künstlerisch war dieser Druck  allerdings  nicht ganz abträglich. Im Gegenteil, es standen weitere politisch thematisierte Arbeiten ,Metallcollagen und Keramiken.
 Rainer Stoltz sieht sich als einen  typischen Vertreter  des  (s.g."Egorealismus") Realismus , auch trotz seiner  Ausflüge in Collagen und metaphorischen Inszenierungen (s. „Insulaner“).
 Aber das Eindringen   in das fleischlich Wahre  ist  und war  immer sein zentrales Ziel und Thema , was sich in seinem gesamten Œuvre bis heute  auch immer erneut  zeigt.
 Er gehört bis heute nicht zu den sich selbstdarstellenden und kunsttheoretisch schwadronierenden Künstlern unserer Zeit -  er ist nur einer, der seinem eignen  Erleben   
folgt und  auch nur diese reflektiert. 

 

Ab 1973  erfuhr er eine starke  Beeinflussung  und Impulse durch   den Bildhauer  G. Lichtenfeld an der  Hochschule " Burg Giebichenstein" ,Halle /S (u.a. lebensgroß Torsi in Keramik,Körperstudien in Gips) . Es folgten weitere politische  Metallcollagen und kleine  Gelbgüsse und figürliches Arbeiten in Keramik zum Thema "Tod", "der Kasten", verschiedene  Torsi,  „ Streckenläufer ", „ Deutschland ein Herbstmärchen", etc. (vieles ist verschollen oder gestohlen). 

 

Ab 1975 begann der Aufbau eines Ateliers in Rodigast (nahe Jena) und Gründung der  Sezession Sankt Rodigast ( „SERO ") - einer nur fiktiv existierenden Künstlervereinigung (illegal). Dies stiftete einige Verwirrung bei den Behörden - , wie Stoltz einmal bekannte….und  sich später auch offenbarte (ein  keines"Clochemerle").

Wegen fortgesetzter Verweigerung am Militärdienst , erfolgte dann 1976  der Verweis und  Exmittieren von der Hochschule  „ Burg Giebichenstein „  und  der Verlust  der Wohnung  in Halle/S.  (....spätere politische Rehabilitierung  2013 , nach dem Zusammenbruch  der s.g. „DDR“). 

 

1975 und 1976 zeichnerische Patientenportaits ( zusammen mit  dem Maler Th. Ziegler ) in in der Nervenklinik Eberswalde bei Berlin (heute Martin Gropius Krankenhaus) 

 

 Etwa  um 1978 entstanden erste Betongüsse und erste größere Bronzegüsse im eigenen Atelier in Sankt Rodigast (Selbstportrait, das Thema "Tod" und "Reste eines Helden" bleibt präsent. 

Es entstehen eine Reihe von Helmen in synth. Hartwachs und Steinzeug ( folgend Stahlgüsse in einem Staatsbetrieb in Lobendstein). In dieser Zeit entstanden auch wieder verstärkt Zeichnungen.

Um 1980/1981 widmete sich Stoltz ersten zeichnerische Studien im Anatomischen Institut der  Friedrich Schiller Universität Jena . Eben da ergaben sich dann auch  Möglichkeiten  bei Außensektionen  der Pathologie beizuwohnen . Infolge  dessen entstanden verschiedene  Betongüsse zum Thema"Tod und Vergehen" ,…etc. 

 

Ende 1981“,   „Kopf mit Durchschuss“  , ein Messingguss (Tod von M. Domaschk  im Frühjahr 1981),  und "Reste eines Helden" in Porzellan. 

 

Seit  1983  begann Stoltz mit den ersten „Insulaner“ (Kästen) in Aluminium.
 1984  entstehen die Porträts   „ Günter K." , „ Berbaum "(ein Mörder)  , " Das Auge“ und "Puppenland ist abgebrannt " , „ Niemandsland" (vieles verschollen), kleine „Zeichen" (Keramik).  Einiges aus  dieser Zeit befindet sich heute im "Haus der Geschichte"  Bonn - respektive "Zeitgeschichtliches Forum" Leipzig. 

 

Auf Grund anhaltender zersetzender Repressalien  des System und mit einem Arbeits- und Ausstellungsverbot und bis zur Zwangsübereignung , erfolgte dann die Entlassung aus der Staatsbürgerschaft und seine Ausreise nach Bayern.
 Noch unter den direkten Eindrücken dieses Prozesses entstand „ Das Verhör I“ ,in Alabaster (Sammlung K.- H. Weis). Dies war die letzte Arbeit vor dem verlassen der s.g.  „DDR“  und es endeten die  s.g. "zeitwertlosenjahre“ für Stoltz. 

 

Nach kurzer Verweildauer 1986 in Aschaffenburg( Bayern), bezog er das Atelier in den Weyberhöfen (mit S. Stoltz-Neumann) bei Aschaffenburg Ende 1987. 

 

1988  kam die erste Begegnung mit dem Kunstsammler Prof.Dr. Dr. K.-H. Weis und dem Kunstförderer 

Dr. J. Lenssen ,dem Kunstreferenten der Diözese Würzburg. 
 Im selben Jahr erfolgte  eine Einladung zur Nominierungs-Austellung  "Villa Massimo" , im  Landesmuseum Schleswig-Holstein  „Schloss Gottorf“. 

 

In den Folgejahren erhielt er eine Reihe erster Preise bei öffentlichen Kunstwettbewerben und Direktbeauftragung 

für skulpturale Arbeiten im öffentlichen Raum. 

 

Von 1989 bis 2005 hatte er eine Lehrtätigkeit für freies Zeichen und plastisches Gestalten im Fachbereich Architektur  an der "Frankfurt University of Applied Sciences" in Frankfurt am Main inne.
 Ab 1994 und in den folgenden Jahren nutzte er ein Atelier  in der „Safina“ (Mtwara),  nahe  der Benediktiner Abtei Ndanda (Tanzania). 

 

1989 Reise mit der Galeristin Maria Eichener (München) in der Palazzo der Contessa M. 

(nahe Brescia /lago d´iseo ). Es entstanden eine Reihe von Porträts und Zeichnungen(s. Katalog  der Landeshauptstadt Wiesbaden,1990). 

 

1998  war er Gaststipendiat der BEMIS Foundation (BEMIS Center for Contemporary Arts) in den USA (Omaha). 

 

1997 nahm Stoltz  seinen Wohnsitz ( residencia indefinido)  und Arbeitsmittelpunkt in Havanna (Cuba). Noch 

stark beeinflusst  noch von Afrika, arbeitete er neu inspiriert  durch die karibischen Einflüsse in  Havanna. 

Nun erfolgte aber auch verstärkt auch eine Hinwendung zur Malerei   (u. a. Portraits  von  Leonardo Padura).

2015 verlässt  Stoltz  vorübergehend Havanna und ging nach Madrid und Panama City ,wo er bis heute überwiegend lebt und arbeitet.

2015 - 2016 entstand gemeinsam mit Direktor der Museen der Stadt Aschaffenburg Dr. Thomas Richter (heute Direktor des Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig)  die Initiative zu einer Ausstellung  zum hundertjährigen Ende des I. Weltkrieges  im  Justizpalast München und im Deutschen Bundestag. 

(unter dem Arbeitstitel: .....Opferbilder - Gedanken zum 1. Weltkrieg / das grosse versagen…. 

bilder zum 1.weltkrieg... /krieg... , zeit der Helden.... / ...krieg , unser  ungeliebter Bruder …)
 Dieses Projekt  mit Großskulpturen fand am Ende weder durch den Justizminister Prof.Dr. Bausback  eine grosse Unterstützung  , noch durch Dr. Andreas Kaernbach, Kurator der Kunstsammlung des Deutschen Bundestag ; der den Vorschlag schon bei Vorlage ablehnte...) 

 

Zwischenzeitlich  -  und bis 2019 entstanden im Atelier der Weyberhöfe  eine Vielzahl  Großskulpturen in 

Marmor (Werkgruppe:…Menschen, Heilige …und was bleibt?)  Diese Arbeiten widerspiegeln in drastischer Weise
 das gestalterisch reflektorische Wandern zwischen den zwei "Wahl-Welten", in denen sich Stoltz seit etwa den Jahren 1988  mit Reisen und Aufenthalten bewegt. Waren es Anfangs kürzere Reisen, so genügte  Stoltz dies nach kurzer Zeit nicht mehr und er suchte  nach  einem „wahren und tiefen“Eintauchen“ in diese farbigen Welten. 

 

Im Ergebnis steht heute nun auch ein sehr umfangreiches malerisches Œuvre




RAINER STOLTZ – SCULPTOR AND PAINTER LIFE AND WORKS Rainer Stoltz is a German sculptor and painter / *1951 in Buergel.  

From about 1964 to 1967 he attended the municipal art school in Jena (so-called Folk-Art School) where he also experienced his first external artistic impulses. (From a collection of steel helmets and bird skulls, the first “Reste eines Helden” emerged in ceramics, 1970 portrait of “Rittmeister K.”) 

Despite the large new circle of acquaintances in Jena, he always remained a strong individualist and evaded the general state doctrine in the former Soviet Zone. 

Even when he was drafted into the military, he refused to serve in the state system. The so-called "Years of worthless time", as he called them, began – these were small escapes from ”the system”. He moved into his first studio (with M.E.) in the former rifle house in Buergeland then moved to Jena (Brauhofstrasse), where he was exposed to new and more diverse influences; and lived them out. During this time, too, the first small metal castings in lead and brass were made, "Der Gasmann", today owned by the "Haus der Geschichte", Bonn / Leipzig and others, including the "Luftbrückenstraße"; the "Years Without Time" began.  

All these works caused massive rejection among representatives of the art of the socialist state – the system thus showed him the limits early (which he could not and did not accept) and he experienced the first serious state reprisals by the art and cultural functionaries. From an artistic point of view, however, this pressure was not detrimental. Quite the contrary – more politically themed works were produced.  

Rainer Stoltz sees himself as a typical representative of ("egorealism") realism, even in spite of his excursions into collages and metaphorical stagings (see "Insulaner"). But the penetration into the fleshly truth is and has always been his central goal and topic, which is shown again and again in his entire oeuvre to this day. To this day he is not one of those self-portraying and art-theoretical swaggering artists of our time – only following his own experiences, and only reflecting on them.  

From 1973 on, he was strongly influenced and inspired by the sculptor G. Lichtenfeld at Burg Giebichenstein, Halle/Saale (incl. life-sized ceramics torsos, plaster body studies). Other metal collages and small brass casts as well as figurative works with ceramics on the theme of "Tod", “Der Kasten”, various torsos, “distance runner, “Deutschland - ein Herbstmärchen” etc. (partly lost or stolen). 

In 1975 he started to establish a studio in St. Rodigast (local center of Buergel, near Jena) and founded the (fictitious) illegal secession St. Rodigast (“SERO”) This was a fictitious artists’ association (illegal) that caused some confusion among the authorities, as later revealed (based on “Chlochemerle”, as Stoltz later revealed).  

Due to continued refusal of military service, he was expelled and evicted from the University of Applied Sciences Burg Giebichenstein and from his apartment in Halle in 1976 (see Halle district court; later political rehabilitation in 2003 after the collapse of the former “GDR”).  

In 1975 and 1976 he created graphical portraits of patients (together with the painter T. Ziegler) in the Eberswalde psychiatric clinic near Berlin (today Martin Gropius Hospital). About 1978, the first concrete casts and the first larger bronze casts were created in his own studio in St. Rodigast (self-portrait, on themes "Tod” and “Reste eines Helden". He created a number of helmets made out of synthetic wax and stoneware (followed by cast steel, illegally made in a state-owned company in Lobendstein). During this time, he also increasingly created drawings. 

Around 1980/1981 he created first drawings in the anatomical institute of the University Jena andhe was also invited to create parts of external sections at the institute of pathology. The results were different concrete casts on the subject of death. At the end of 1981 he created “Kopf mit Durchschuss” (the death of M. Domaschk in spring of 1981) and “Reste eines Helden” in porcelain. 

In 1983 Stoltz started with the first “Insulaner” (boxes) made out of  aluminum.  

In 1984 he created the portrait of “Guenter K.”, “Berbaum” (a murderer), “Das Auge”, “Puppenland ist abgebrannt”, “Niemandsland” (much of which is lost), “Kleine Zeichen” (ceramics). Some of these works are now on display in the House of History in Leipzig. 

In 1985, due to continuing communist reprisals of the system with work and exhibition prohibition, he had his citizenship taken away and was banned from working and exhibiting his works.. At the end of the same year (before he went away), he created “Das Verhör I” in alabaster. It was his last work before leaving the Soviet occupation zone in February 1986 and the so-called "Years of worthless time" ended.  

After a short stay in Aschaffenburg (Bavaria), he moved to his studio in the Weyberhoefe near Aschaffenburg in 1987 (with S.Stoltz-Neumann). 

In 1988 he was introduced to the art collector Prof. Dr. Dr. K.-H. Weis and the art sponsor Dr. J. Lenssen – the art consultant of the Diocese of Würzburg. In the same year Stoltz was invited to the nomination exhibition "Villa Massimo" at the Schleswig-Holstein State Museum "Schloss Gottorf". 

In the following years, he received a series of first prizes in public art competitions and direct commissions for sculptural works in public spaces (see website). 

From 1989 to 2005, he taught free drawing and sculptural design in the Department of Architecture at the Frankfurt University of Applied Sciences in Frankfurt, Main. 

In 1994 and the following years he rented a studio in the "Safina" (Mtwara) close to the Benedictine Abbey Ndanda (Tanzania). In 1989 he went traveling with the Galerist Eichener (Munich) to the Palazzo of Contessa M. (Close to Brescia/Lago d’Iseo). Several portraits and drawings (see catalogue of state capital Wiesbaden, 1990). 

In 1997 Stoltz took up permanent residence (residencia permanente indefinida) in Havana (Cuba) and worked there, strongly influenced by Africa and further inspired by the Caribbean influences in Havana – but now also more pictorially (several portraits of Leonardo Padura). 

In 1998, he was a guest at the BEMIS foundation (BEMIS Center for Contemporary Arts, USA). 

In 2015 he left Havana and went to Madrid and Panama City, where he still primarily lives and works today. 

In the years 2015 and 2016 an initiative was created with the museums of the city of Aschaffenburg (Director Dr. Th. Richter) for an exhibition with sculptures for the centenary of the end of World War I in the Palace of Justice in Munich and in the German Bundestag (under the working title: "Victim images - thoughts on World War 1 / the great failure - pictures of World War 1 / war - time of heroes / war - our unloved brother ").In the end, this project unfortunately did not find any great support either from the Minister of Justice Prof. Dr. Bausback, or from Dr. Andreas Kaernbach, curator of the art collection of the German Bundestag. Kaernbach  rejected the proposal upon initial presentation  to him. 

In the meantime – and until 2018, a number of large sculptures in marble were created in the Weyberhöfe studio. These works drastically show the creative reflective wandering between the two "worlds of choice" in which Stoltz has been traveling and living since about 1988. Initially exploring with shorter trips, Stoltz quickly wanted to truly immerse himself in these  “colorful, foreign cultures”.

It was more than logical for him to keep extending his trips and eventually even becoming resident in some cases. This enabled him not only to soak up and delve into the realities of life there, butto also work intensively in the respective locations. His attraction to the cultural proximity of Africa and South America is unbroken and an inexhaustible source of inspiration and maturation for him. 

His current center of life is Panama and Madrid.